Der Einstieg in die Beobachtung

Werner Braune
 Welche Sterne geben den ersten beobachterischen Eindruck ?
 
Um einen Eindruck von der Veränderlichkeit eines Sternes zu gewinnen, empfehle ich allen Einsteigern, einmal nach ß Lyrae zu schauen. Bei diesem Stern zur Beobachtung mit dem Auge oder Feldstecher, gibt die gelegentliche Betrachtung und das Vergleichen mit anderen Sternen der Leier an unterschiedlichen Abenden bereits einen Eindruck von Veränderlichkeit. Diese Möglichkeit bietet nur dieser Bedeckungsveränderliche mit kontinuierlichen, gut sichtbaren Helligkeitsänderungen zwischen 3.3 und 4.4 mag aufgrund seiner Periode von knapp 13 Tagen. Danach wiederholt sich alles.
 
Andere Veränderliche erfordern, um Helligkeitsveränderungen gezielt zu erleben, die Kenntnis des Zeitpunktes eines Minimums oder Maximums der Helligkeit. Einfach geht das mit der monatlichen Sternauswahl auf der Startseite der BAV-Website.

Vorhersagen für weit über Hundert Veränderliche findet man im BAV Circular. Alle Sterne werden in Heft 1 vorgestellt, Heft 2 enthält die täglichen Vorhersagen eines Jahres.

Sich hier auf einen speziellen Kandidaten stürzen zu wollen, ist nicht immer sinnvoll; denn zumeist spielt das Wetter nicht mit. Besser ist es für einen beliebigen klaren Abend einen zum eigenen Instrumentarium passenden Kandidaten aus der möglichen Sternauswahl des Tages zu nehmen.
Die BAV-Programme bieten bereits für den Feldstecher viele Kandidaten mit Helligkeiten, die zu diesem Instrument, das bis zu etwa 8 mag schätzen lässt, passen. Damit ist zumeist für jeden Abend etwas dabei.

Natürlich gibt es immer mit nur einer Schätzung am Tag einige Mirasterne zu beobachten, deren Helligkeitsverlauf etwas Geduld erfordert. Helligkeitsänderungen liegen hier im schnellsten Fall bei 100 Tagen, meist bei 250 Tagen. Da muss üblicherweise jeder klare Abend genutzt werden. Für den zeitlichen Abstand sorgt zumeist das Wetter.
 
Ohne Vorhersagen geht das Erlebnis schnell  bei ð-Scuti-Sternen. Bei Pulsationsperioden ab zwei Stunden (AE UMa, DY Peg) – also in diesem Abstand jeweils ein Maximum – ist ein Ergebnis schnell realisiert. Ein etwas größeres Instrument (Sichtbarkeiten bis 11 mag) ist erforderlich.

All dies geht nicht nur visuell, sondern auch mit Minicams (bei hellen Sternen) oder elektronischen Spiegelreflex-Kameras und natürlich mit einer CCD-Kamera. Die hierzu nötige Kenntnis liefert die BAV.

Unterstützung und Anregungen zur spezielleren Beobachtung bietet der Bereich "Beobachtung wichtiger Veränderlichentypen" (im Hauptmenü). Hier geht es um weitere Einzelheiten. Die dort angegebenen Leiter der BAV-Sektionen helfen gern weiter.
 
Wie häufig ist zu beobachten ?
 
Der Helligkeitsverlauf eines Veränderlichen hat eine recht unterschiedliche Länge. Ziel des Beobachters dürfte es sein, möglichst ein Minimum oder Maximum des Helligkeitsverlaufes zu seiner eigenen beobachterischen Zufriedenheit zu erzielen. Das geht bei einigen Sternen (Kurzperiodische) zumeist an einem Abend. Bei anderen Sternen ist dies nur über einen längeren Zeitraum möglich. Bei Mirasternen (Langperiodischen) erstreckt sich dieser mit möglichst gleichmäßiger Erfassung der Helligkeiten über einige Monate.

Die Beobachter von kurzperiodischen Veränderlichen, wie Bedeckungsveränderliche, RR-Lyrae- und Delta-Scuti-Sterne, sollen aus ihren Beobachtungen Minima bei Bedeckungsveränderlichen bzw. Maxima der anderen Sterne ableiten. Dafür wird an einem Abend über mehrere Stunden der Helligkeitsverlauf beobachtet und zur Auswertung festgehalten.

Bei Veränderlichen mit längeren Perioden wie Cepheiden, Mirasternen, Halbregelmäßigen und RV-Tauri-Sternen sowie Kataklysmischen und Eruptiven wird lediglich eine Schätzung bzw. Messung pro Abend gemacht und das über einen längeren Zeitraum mehrerer Tage, Wochen oder Monate je nach Sterntyp. Bei diesen Sternen sollen ebenfalls Maxima und Minima abgeleitet werden.
 
Was passiert mit den Beobachtungen ?
 
Die abgeleiteten Maxima und Minima werden nach Einsendung an die BAV geprüft und in den BAV Mitteilungen veröffentlicht, um diese der Fachwelt international bekannt zu machen.

Es gelingt dem einzelnen Beobachter bei Langperiodischen nicht immer, eigene Beobachtungen zu einer auswertbaren Lichtkurve zusammen zu fügen. Damit nichts verloren geht und weil ein  internationaler Bedarf an aktuellen Daten zu einem kurzfristigeren Einblick in deren Verhalten besteht, gibt es ein monatliches Sammelverfahren. Die BAV sammelt monatlich die Einzelschätzungen bzw. Messungen für eigene Zwecke und zur Weitergabe an die AAVSO als internationaler Sammelstelle.
 
Welches Ziel verfolgt die Veränderlichenbeobachtung ?
 
Ergebnisse unserer Beobachter tragen bei längeren Zeitreihen zur Bestimmung bzw. Verbesserung der Lichtwechselelemente im Rahmen der BAV-Arbeit bei. Gezielte Beobachtungen bzw. Auswertungen analysieren den Helligkeitsverlauf oder überarbeiten die Klassifizierung von Veränderlichen.

Eine ausführliche Beschreibung bietet die "BAV Einführung in die Beobachtung Veränderlicher Sterne", 4. Auflage 2009, die für 22 € plus Versandkosten bei der BAV erhältlich ist. Eine Inhaltsübersicht ist hier zu finden.
(Stand: 27. Dezember 2020)